Pressekritiken und Laudationes



Aus der Festansprache anlässlich der Verleihung des Kulturförderpreises des Landes Mecklenburg-Vorpommern an die Kantorei

Erwin Sellering, Ministerpräsident

Viele Menschen zu erreichen, anzurühren, zu begleiten, das zeichnet auch Ihre Musik aus, das ist auch das Ziel Ihrer Sängerinnen und Sänger. Man kann sich kaum vorstellen, wie das musikalische Leben in der Hansestadt ohne die Kantorei mit ihren 7 Chören aussehen würde. Mehr als 50 Konzerte geben die rund 400 Aktiven im Jahr, und das auf höchstem künstlerischem Niveau. Das stellen Sie auch bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern unter Beweis.
Als Leiter der Kantorei sind Sie, sehr geehrter Herr Professor Langer, damit rund ums Jahr gefordert. Deshalb verdient es besondere Anerkennung, dass Sie und Ihre Mitstreiter sich mit so großem persönlichem Engagement um die Jugendarbeit kümmern. Mehr als 200 Kinder und Jugendliche bekommen derzeit bei Ihnen eine fundierte musikalische Ausbildung. Bei Konzerten und öffentlichen Auftritten haben die jungen Sängerinnen und Sänger regelmäßig Gelegenheit, zu zeigen, was sie können. Auch das macht Ihre Arbeit in den Chören so wertvoll.
Es geht darum, dass Kinder Zugang zur Musik finden - als Gewinn für sich selbst, aber auch um Nachwuchs für eine lebendige Kultur in Mecklenburg-Vorpommern zu fördern. Dafür wollen wir Sie mit dem Kultur-Förderpreis des Landes auszeichnen.



Aus der Laudatio auf Prof. Markus Johannes Langer, Kantor an St.Johannis, zur Verleihung des Kulturpreises der Hansestadt Rostock

Dr. Liane Melzer, Senatorin für Jugend und Soziales, Gesundheit, Schule und Sport, Kultur

[...]
Markus Johannes Langer hat in den gut neun Jahren seiner Tätigkeit in unserer Stadt mit hoher Professionalität, mit Einfühlungsvermögen und Integrität das musikalisch-künstlerische Niveau der Kantorei nicht nur halten, sondern in beeindruckender Weise zu steigern vermocht. Es gelang ihm die Kantorei regional, national und international zu einer begehrten Partnerin hochrangiger Vertreter der Musikszene zu entwickeln.
[...]
Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ist für Markus Johannes Langer von besonderer Wichtigkeit. Mit Einfühlsamkeit und pädagogischem Geschick vermittelt er dem musikalischen Nachwuchs Liebe zur Musik und Begeisterung für professionelles Arbeiten. So bildet sich beim Singen Gemeinsinn und soziales sowie politisches Denken. [...] Solche Aufführungen bedeuten eine Bereicherung und Lebensschule für die mitwirkenden Kinder, Jugendlichen und ihre Familien. Sie sind aber auch eine Bereicherung im Leben aller, die diese Konzerte erleben dürfen.



Orgelabend
12. und 13.10.2007, Orgelsaal der Hochschule für Musik und Theater Rostock

Heinz-Jürgen Staszak, Norddeutsche Neueste Nachrichten
16.10.2007

Langer verzückt das Publikum
Kantor der Rostocker St.-Johannis-Kirche mit beeindruckendem Orgelspiel
Markus Johannes Langer (36), der Kantor der St.-Johannis-Kirche und Leiter des Rostocker Motettenchores, ist, was er viel zu selten sichtbar macht, auch ein guter Orgelspieler.

In einem nur gut einstündigen Konzert im Orgelsaal der Hochschule für Musik und Theater konnte man seine Kunst bewundern.
Er spielte ausschließlich Bach, gleichsam ein exemplarischer Gang durch das vielfältige Orgelschaffen des Meisters: Choralbearbeitungen, zumeist aus dem Weimarer Orgelbüchlein, die Großform Präludium und Fuge mit BWV 534, dazu Konzertierendes mit der Canzone BWV 588 und der Sonate BWV 525, mündend in die Bach'sche Orgelbearbeitung eines Vivaldi-Violinkonzertes BWV 593.
Das war in seiner Mischung von Spiritualität und kontrollierter Musikalität in jedem Moment fesselnd und bewegend. Markus Johannes Langer führte hier die hohe Schule des polyphonen Spiels vor. Er lässt die Orgelklänge nicht nur in ihrer Majestät und Erhabenheit aufrauchen. Mit hohem technischen Können führte er uns den Geist der mehrstimmigen Musik vor, in der ein Ton in seinem musikalischen Sinn nicht bestimmt wird von denen, mit denen er gleichzeitig erklingt, sondern von denen, die ihm vorausgehen oder folgen, so dass gleichsam ein Gewebe verschiedener und nahezu gleichberechtigter melodischer Linien entsteht; selbst der Bass ist nicht nur Begleitung, sondern hat seinen eigenen Stolz.
Das ist nicht nur ein Problem der Fingerfertigkeit, sondern in erster Linie eines des Kopfes und des Ohrs - dort muss man sich von der akkordisch-homophonen Spiel- und Hörweise, die uns seit dem 18. Jahrhundert dominiert, lösen. Langer ist dies vorzüglich gelungen und er hat es damit auch seinen Zuhörern ermöglicht. Mit der eher kleinen, aber leistungsfähigen Schumacher-Orgel erreichte er eine luzide Klarheit, eine geradezu hellsichtige Durchsichtigkeit, die dennoch immer von rhythmischem und melodischem Schwung erfüllt war. Selbst in der fünfstimmigen Fuge von BWV 534 konnte man in jeder Phase die Verschlingungen der selbstständigen Stimmen verfolgen.
Und in den konzertierenden Stücken, besonders in der Vivaldi-Bearbeitung, wurde dies zum Glanz strenger Musizierlust. Es war insgesamt, mit Verlaub, zum Fingerspitzenküssen.



Dietrich Buxtehude: Membra Jesu Nostri
12.05.2007, St.-Johannis-Kirche Rostock
09.05.2007, Orgelsaal der Hochschule für Musik und Theater Rostock

Heinz-Jürgen Staszak, Norddeutsche Neueste Nachrichten
14.05.2007

Bewegende Konzerte für Dietrich Buxtehude
300. Todestag des Komponisten musikalisch gefeiert

Ein würdiges Fest für Dietrich Buxtehude: Im Katharinensaal der HMT und in der Johannis-Kirche erklang befreiende Musik.

Am 9. Mai 1707 starb der Lübecker Marienorganist Dietrich Buxtehude. Zur 300. Wiederkehr dieses Tages gab es im Orgelsaal der Hochschule für Musik und Theater ein Gedenkkonzert für den - wie Prof.Dr. Hartmut Möller in seiner Einführung sagte - "bedeutendsten Komponisten zwischen Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach". Wiederholt wurde das Konzert am Sonnabend in der Johannis-Kirche. Möller hatte mit dem feinsinnigen Satz geendet, dass Buxtehudes Musik "vom Kreisen um das eigene Ich befreie". Genau dieses Erlebnis schien sich im lang anhaltenden Beifall am Ende des Konzertes zu manifestieren, in dem Instrumentalisten und Gesangssolisten der HMT unter Leitung von Markus Johannes Langer musiziert hatten.
Aber wie hat Langer dies gemacht, dass seine Aufführung uns "vom Kreisen um das eigene Ich befreite" [...]? Zunächst geschah es durch den Text des Werkes. Langer führte hier den siebenteiligen Kantatenzyklus "Membra Jesu Nostri" von Buxtehude auf, eine (lateinische) Meditation über die Gliedmaßen des Gekreuzigten, in denen permanent das eigene Ich religiös überschritten wird.
Aber ebenso deutlich und sicherlich noch eindringlicher hat es die Gestaltung der Musik bewirkt [...]. Drei Grundzüge ließen sich dabei ausmachen: Zunächst der Verzicht auf Exzellenz zugunsten von Authentizität, was eine möglichst große Nähe zur historischen Aufführungspraxis bedeutete.
Kleines Ensemble leistet Erstaunliches
Hierbei leistete das kleine Instrumentalensemble - trotz moderner Instrumente - rundum Überzeugendes, in der Phrasierung, in den "Spaltklängen", mit denen die einzelnen Stimmen ihre Gleichberechtigung behaupteten. Dann in einer Tempowahl, die gleichsam den Grundgestus des unaufdringlichen Zelebrierens herstellte, der nicht zur bewusstlosen Identifikation einlud. Und schließlich in einer Balance zwischen dem ausgedrückten Gefühl und der strengen Form, in der es ausgedrückt wird [...].
Dies gelang besonders in den einleitenden und abschließenden Chören, vorgetragen vom Vokalquintett mit Katharina Steinwachs und Mitsuyo Okamoto (beide Sopran), mit David Ameln (Altus), August Schram (Tenor) und Tilman Fröhlich (Bass), auch in deren Soloarien und Terzetten. Ein würdiges und bewegendes Gedenkkonzert.



Johann Sebastian Bach: Matthäuspassion BWV 244
19.02.2006, Heiligen-Geist-Kirche Rostock

Michael Baumgartl, Ostsee-Zeitung
21.02.2006

Bachs Matthäus-Passion wurde zum Ereignis

Es fehlt dem Rostocker Motettenchor nicht an Renommee, um eine große Kirche zu füllen. Doch die solistische Mitwirkung von Thomas Quasthoff macht in Rostock eine Aufführung der Bach'schen Matthäus-Passion zum Ereignis von ganz besonderem Rang. Quasthoff, dessen CD-Einspielung mit Bachkantaten gerade den Amadeus Award und den Grammy Award als beste Klassik-Vokal-Aufnahme bekam, wurde 1977 trotz außerordentlicher Begabung von der Musikhochschule Hannover das Studium verweigert, weil er mit seinen verkrüppelten Händen nicht wie vorgeschrieben Klavier spielen konnte. Heute gilt er weltweit als einer der besten Sänger unter den hohen Bassisten.
Der Motettenchor hatte ihn unter dem Dirigat seines Leiters Markus Johannes Langer zum dritten Mal als Solist zu Gast. Aus den ersten Kontakten ist eine Art musikalischer Freundschaft geworden, so dass man sich auch weiterhin auf Konzerte mit Quasthoff in Rostock freuen kann. Die Passions-Aufführung am Sonntag in der ausverkauften Rostocker Heilig-Geist-Kirche geriet zum großartigen musikalischen Erlebnis.
Markus Johannes Langer setzte nur ein Mindestmaß an Dirigierbewegung ein, doch ging davon eine derartige Imagination aus, dass die aus verschiedenen Orchestern zusammengesuchten Musiker zu einem durch die Partitur vorgeschriebenem Doppelorchester von hoher Präzision und Intensität verschmolzen.
Zwar wurde auf modernen Instrumenten musiziert, was einen teils forcierten, teils romantisch fülligen Klang evozierte, der die schlanken Solostimmen in tiefen Registern leicht überdeckte. Doch das stark gestisch geprägte Spiel glich diesen kleinen Makel wieder aus.
Den Motettenchor brachte Langer zu enormer Ausdruckskraft. Der Chor sang mit klarer Deklamation, sicherer Intonation und mit intensivem Klang. In den dramaturgisch und rhythmisch spannend geformten Ablauf des dreistündigen Werkes passte Langer die Choräle als dramatische Angelpunkte ein.
Wegen der Erkrankung eines Sängers hatte Thomas Quasthoff kurzfristig neben den Bass-Arien auch die Partie des Jesus übernommen. So setzte der Sänger in den Dialogen zwischen Jesus und Judas sowie zwischen Jesus und Petrus brillante dramatische Höhepunkte, indem er jeder Person eine eigene stimmlich differenzierte Rolle zuwies.
Der Tenor Henning Kaiser machte mit der Partie des Evangelisten einen leicht überforderten Eindruck. In bester dramatischer Gestaltungsabsicht sang sich die Stimme mit eigentlich schönem schmalen Timbre fest und verlor die sichere Führung, was sich in den lyrischen Abschnitten aber wieder zu schöner Linearität löste.
Die schwedische Sopranistin Malin Hartelius konnte ihr helles Timbre vor allem im hohen Register entfalten, während die Altistin Britta Schwarz ihre reichen Erfahrungen mit barocker Gestaltung in sehr dynamischem Klang einbrachte.
Mit dieser Aufführung am Sonntag Sexagesimae, sechzig Tage vor Ostern, erklang die Passion sehr früh im Kirchenjahr. Doch wird der tiefe und nachhaltige Eindruck sehr wohl anhalten bis zum Karfreitag, dessen Geschehen sie schildert.



Heinrich Schütz: Symphoniae Sacrae, Psalmen Davids
27.08.2005, Dom Schwerin
26.08.2005, St.-Nikolai-Kirche Rostock

Ekkehard Ochs, Ostsee-Zeitung
29.08.2005

Festspiele mit glanzvoller Chormusik

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern punkten weiterhin mit Angeboten der Extraklasse: donnerstags "Amarcord" in Güstrow, freitags und sonnabends die "Hilliards" und der Rostocker Motettenchor im Doppelpack in Rostock und Schwerin.
Schön, dass damit auch wieder ein Ensemble aus der Region zum Kreis der Erlauchten gehört, der sich der Einbeziehung landeseigener und landesspezifischer künstlerischer Potenzen verpflichtet. Von der Erfüllung eines Traumes sprach gar der Künstlerische Leiter Dr. Sebastian Nordmann und meinte damit die weit über eine bloße Programm-Kombination hinausgehende enge Zusammenarbeit von Hilliard-Ensemble und Motettenchor.
Die hat nun - und Chorleiter Markus Langer erzählt es mit Stolz - schon so etwas wie Geschichte: beginnend mit einer von nur vager Hoffnung getragenen Rostocker Anfrage, über die als wirkliche Auszeichnung verstandene spontane Zusage der vier freundlichen Herren aus England sowie dem ersten gemeinsamen Projekte (Arvo Pärt), bis hin zum Festspiele-Programm der vergangenen Tage.
Letzteres demonstrierte dann auch schönste Gemeinsamkeit nicht nur im Geiste! Hier war ein Kompetenzteam am Werke, das mit der die vier Solisten (Hilliard) ergänzenden Sopranistin Claudia Reinhard und dem internationalen instrumentalen Barock-Ensemble "Barocco Locco" als Dritten im Bunde beste Gewähr für ein authentisches Musizieren bot. Im Mittelpunkt stand Heinrich Schütz mit Teilen aus den Psalmen Davids, den Symphoniae Sacrae und der Geistlichen Chormusik, flankiert von seinem [...] Schüler Johann Vierdanck und zwei Kompositionen Arvo Pärts.
Für die entsprechenden "Klangwunder" war Rostocks Nikolaikirche vergangenen Freitag wieder der rechte Ort. Ob ein "lediglich" drei- oder vierstimmiger solistischer Pärt, der gekonnt schlichte Duktus eines Vierdanck (Geistliches Konzert) oder Schütz zwischen A-cappella-Satz und klangprächtiger, orchestral begleiteter Doppelchörigkeit - die menschliche Stimme gewann hier jene Dimension, die sie zwischen Erdverbundenheit und Entrücktheit so einmalig macht. Arvo Pärt und "Hilliard" - noch immer Klänge, bei denen man das Atmen vergisst; Schütz und "Hilliard" - eine andere Erfahrung wohl auch für die Interpreten; Schütz und alle gemeinsam - ein Erlebnis von großer, entscheidend vom bestens disponierten Rostocker Motettenchor getragener Ausdrucksstärke.
Chorleiter Langer hat es nicht beim verführerischen Wohlklang belassen, sondern mit Sorgfalt und musikalisch souverän auch für die so zuversichtlich-frohe wie eindringliche Deutlichkeit der Schütz'schen Botschaft gesorgt. Man empfand es geradezu körperlich, dessen aufforderndes "So seid nun wacker alle Zeit". Keine schlechte Maxime!



Felix Mendelssohn Bartholdy: Elias op. 70
03.04.2005, St.-Nikolai-Kirche Rostock

Heinz-Jürgen Staszak, Norddeutsche Neueste Nachrichten
05.04.2005

Gipfel künstlerischer Qualität und Intensität
Elias-Aufführung in Rostock mit Thomas Quasthoff

Seit fast zwei Jahrzehnten war es in Rostock nicht mehr zu hören gewesen, das romantische Großoratorium "Elias" von Felix Mendelssohn Bartholdy. Und dann plötzlich entsteht so etwas wie eine "Eliasleiter": im Oktober 2000 eine Aufführung der Warnemünder Kantorei, im November 2002 eine des Figuralchors der St.-Johannis-Kantorei und jetzt, am Sonntagnachmittag in der Nikolaikirche, wiederum eine Aufführung der St.-Johannis-Kantorei unter Markus Johannes Langer.

Dabei war die letzte Sprosse dieser Leiter in künstlerischer Qualität und Intensität zweifellos ein Gipfelpunkt.
Dies lag zuallererst, aber längst nicht allein, daran, dass es Markus Johannes Langer gelungen war, Thomas Quasthoff, Deutschlands besten Konzertbariton (nach einer Mitwirkung im Weihnachtsoratorium 2002), erneut für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Dennoch war es längst kein Starauftritt, der die anderen Mitwirkenden zur bloßen Folie machte. Im Gegenteil, Quasthoffs bewegende Gesangskunst wurde hier zum Zentrum, von dem aus sich eine eindringliche Ensembleleistung entfaltete, von solcher Überzeugungskraft, dass das Publikum seinen begeisterten Beifall schon in der Pause nicht zurück halten wollte.
So war diese Aufführung nicht einfach nur die Wiederholung der vom November 2002 auf höherem technisch-musikalischen Niveau; sie ließ in ihrer Gesamtgestaltung durch Langer neue geistige Horizonte aufleuchten. Quasthoff gestaltete die Elias-Partie nicht allein mit dem erzenen Glockenton des alttestamentarischen Glaubenszeugen, nicht allein mit der zwingenden Innigkeit des Betenden, sondern er führte mit frappierendem Nuancenreichtum zugleich das persönliche Drama des eifervollen Propheten vor, gipfelnd in der Arie "Ich habe genug", in der er für den individuellen Ausdruck der Vergeblichkeit und des Ungenügens geradezu herzstockende Töne ergebener Demut fand.
Vielleicht war es dies, die psychologische Wahrhaftigkeit, die auf das Ganze ausstrahlte und die die nicht immer aufgelösten Gegensätze der Komposition zwischen oratorischer Strenge und melodienseliger romantischer Glaubenssehnsucht hier in eine Balance brachte, in der sie nicht mehr nur gegeneinander wirkten.
So auch in der Partie der Sopranistin Gerlinde Sämann, die wir in Rostock schon wahrlich mit guten Leistungen hören konnten, die aber hier das bisher Gehörte mit fesselnder und berührender Intensität und Differenzierung überbot, besonders in ihren kontrastierenden Arien am Beginn des zweiten Teiles. Ebenso aber auch die polnische Altistin Bogna Bartosz, maßvoll und gerade darum eindrücklich und charakteristisch in ihren gegensätzlichen Partien als Königin und Engel. Und so auch der Wiener Tenor Ferdinand von Bothmer, dessen noch ganz leicht opernhafte Deklamation hier nur eine zusätzlich belebende, geradezu blühende Facette schuf.
Dies bettete sich ein in eine ebenso überzeugende Leistung des Chores, zusammengefügt aus Figural- und Motettenchor, und des Kantatenorchesters unter dem Dirigat von Markus Johannes Langer. Auch hier die in wohldisponierten Höhepunkten voranschreitende Balance von dramatischer Wucht und inniger Intimität.
Dies war, in seiner Verknüpfung von musikalischem Glanz und anrührender Wirkung, ein künstlerisches Ereignis für Rostock von erinnerungswürdiger Seltenheit.



Claudio Monteverdi: Marienvesper
01.09.2002, St.-Nikolai-Kirche Rostock

Heinz-Jürgen Staszak, Norddeutsche Neueste Nachrichten
03.09.2002

Einzigartiger Höhepunkt des Musiksommers
Monteverdis Marienvesper in St. Nikolai

Claudio Monteverdis "Marienvesper" von 1610, eine zyklische Großkomposition von Mariensequenzen und -gebeten, ist, neben seiner Oper "Orfeo", eine der Geburtsurkunden der modernen neu-zeitlichen Musik. Hier entdeckt die Musik, dass der Mensch eine unverwechselbare autonome Seele hat und sie macht sich geschmeidig, diese auszudrücken. In Mecklenburg war dieses Werk noch nie zu hören.
Erstmals in Mecklenburg gespielt
So war seine Aufführung im Rahmen des "Musiksommers Mecklenburg-Vorpommern" in der Rostocker Nikolai-Kirche ein einzigartiger Höhepunkt dieses musikalischen Sommers. Nicht deshalb, weil hier - wie so oft in solchen Festivals - das schon Immergehörte zu erneutem blendendem Glanz aufpoliert, gleichsam das übliche auf höchstem Niveau wiederholt würde. Sondern hier geschah eine Innovation mit der Eröffnung eines bisher verborgenen geistigen Raumes.
Zu danken ist dies dem Kantor der St.-Johannis-Kirche Markus Johannes Langer und seinen Mitwirkenden, die die "Marienvesper" hier in einer Einrichtung aufführten, die vom Rostocker Musikwissenschaftler Andreas Waczkat mitbetreut wurde. Langer gestaltete dieses alte Werk gleichsam von der Grenzscheide aus, in einer doppelten Optik, in einer fesselnden Balance von Alt und Neu.
Berührende Vielfältigkeit
Den Blick auf das Neue konzentrierte er besonders auf das musikalische Zentrum des Werkes, die menschliche Stimme, ihre Fähigkeit, dem Zustand der Seele körperlichen Ausdruck zu geben. Dazu führte er den Rostocker Motettenchor zu einer fast ariosen Geschmeidigkeit, in der dennoch das dichte Stimmengewebe (es gibt sechs- bis zehnstimmige Chöre) stets transparent blieb, aber nicht in gläserner Kühle, sondern in einer berührenden Vielfältigkeit des Ausdrucks.
Auf barocken Instrumenten
Dazu hatte er ein Solistenensemble so geglückt ausgewählt, mit der Dresdner Sopranistin Gertrud Günther, der blinden Augsburger Sopranistin Gerlinde Sämann, dem Schweriner Altus Meinderd Zwart, den Tenören Thomas Allen (Berlin), Peter Bartels (Lübeck), Martin Krumbiegel (Leipzig), den Bässen Sebastian Bluth (Berlin) und Thomas Hamberger (München) selbst ein kleiner Chor, das stilsicher und bestens abgestimmt das solistische Pendant zum Chor bot. Dabei bildeten sich Momente bewegender Innigkeit und tiefer Intensität, und selbst die Großartigkeit blieb noch persönlich.
Den Blick auf das Alte konzentrierte Langer vornehmlich auf den Klang. Dazu hatte er das Kölner Ensemble für Alte Musik verpflichtet, das ausschließlich auf barocken Instrumenten spielt, mit Barockposaunen, Zinken und Dulzian, aber nicht in puristischer Trockenheit, sondern in einer frischen Lebendigkeit, in einer faszinierenden klanglichen Mixtur von Fremdheit und Vertrautheit.
Ursprünge unserer Gefühlskultur
Dies alles band Langer zu einer Gesamtheit zusammen, in der sich die Stimmigkeit des Details eingliederte in den dramaturgischen Gang einer sich zunehmend steigernden Ausdrucksintensität, die schließlich aufgefangen wurde in der Strenge eines gregorianischen Chorals.
Damit ließ uns Langer für zwei Stunden in die Ursprünge unserer Gefühlskultur blicken, einer Kultur, die in den Kruditäten der Moderne wohl im Schwinden begriffen ist.



A-Cappella-Konzert
24.06.2001, Kirche Warnemünde

Ana Popescu, Ostsee-Zeitung
26.06.2001

Jedes Werk hat seine Klangfarbe
Rostocker Motettenchor überzeugte beim Konzert im Ostseebad

Warnemünde. Mit dem Konzert am Sonntagabend in der Kirche in Warnemünde schloss der Rostocker Motettenchor sein jüngstes Projekt mit höchst anspruchsvollen A-cappella-Werken ab.
Nach Bad Doberan, Hamburg (Hauptkirche St. Jakobi), Steffenshagen und Rerik demonstrierte nun abermals der Chor unter Markus Langers künstlerischer Leitung seine besonders hohe Qualität im Ostseebad.
Das Programm aus vier Jahrhunderten verband eine erstaunliche Vielfalt und inhaltlichen Beziehungsreichtum: Ein stilistischer Regenbogen von Schütz über Bach, Mendelssohn und Reger bis hin zu Rudolf Mauersberger und Frank Martin. Die Gastgeberin Christiane Werbs trat mit Orgelwerken auf, die den Klang aus reinen Menschenstimmen mit dem Schönklang der "Königin der Instrumente" kontrastieren ließ. Ihr gepflegtes, beredtes Spiel gefiel besonders auch durch effektvolle Registerfarben.
Den makellos geschliffenen Chorklang setzte Markus Langer mit einem besonderen Gefühl für die Akustik in den Raum. Schon zu Anfang, in Heinrich Schütz' "So fahr ich hin zu Jesu Christ" waren die fein gestufte Dynamik, die klare Diktion und deutlich profilierte Struktur des Werkes mit der ergreifenden Wärme des Ausdrucks gepaart. Virtuos meisterte der Chor in Frank Matins Kyrie, Gloria, Sanctus und Benedictus aus der Messe für zwei vierstimmige Chöre eine sehr schwer zu singende Partitur.
Mit jedem Werk des Abends trat eine neue Stimmung sowie eine ganz spezifische Klangfarbenpalette auf, dem jeweiligen Stil entsprechend. Aus dem Inneren des Textes heraus vibrierte der musikalische Inhalt durch unzählige Register menschlicher Gefühle.



Camille Saint-Saëns: Weihnachtsoratorium
06.01.2001, Kirche Lambrechtshagen

Heinz-Jürgen Staszak, Norddeutsche Neueste Nachrichten
08.01.2001

Solisten ergänzten die melodische Sangesfreude
Weihnachtliche Abendmusik ergab überzeugende Einheit

Am Sonnabend bot in der Lambrechtshäger Dorfkirche die St.-Johannis-Kantorei unter der Leitung von Kantor Markus Langer eine [...] "Weihnachtliche Abendmusik".
[...] Hauptakteur war der rund 70 Mitglieder umfassende Jugendchor der St.-Johannis-Kantorei, der Choralchor, sozusagen die Nachwuchsbasis für Figural- und Motettenchor. [...] Offensichtlich wollte Markus Langer seinen jugendlichen Sängern [...] ein deutliches und motivierendes Konzerterlebnis verschaffen. Dies ist gelungen, und auch das Publikum hatte sicherlich ein stimmungsvolles Erlebnis.
Garant dafür war, dass die bunte Programmfolge dann doch auf einen Zielpunkt zulief, ein "Großwerk", das "Oratorio de Noël (Weihnachtsoratorium)" von Camille Saint-Saens. [...] Die melodische Sangesfreude des Chores wurde gut ergänzt durch die Solisten [...]. Für den Instrumentalpart hatte sich Langer professioneller Unterstützung versichert: ein kleines, aber deutlich musizierendes Streichorchester, Sophia Warczak an der Harfe und Christfried Göckeritz an der [...] Orgel.
So ergab sich im Ganzen eine überzeugende Einheit, zumal "Romantik" hier nicht als Alibi für dick aufgetragene Emotionalität und nicht hinreichend genaues Musizieren diente.
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letzte Änderung 13. Dezember 2009